Wir ziehen um – NRW calling
Wie ihr in meinem vorherigen Blogeintrag lesen könnt, sind Cagdas und ich bereit für eine Veränderung. Wir möchten unsere sieben Sachen packen und unser Tattoostudio nach NRW verlegen. Wie kam es dazu?
Ich habe mich im Wirbelsturm der Studiogründung und der immer größer werdenden Verantwortung gefragt: Wer möchte ich sein? Und wenn ich das noch nicht weiß, wie möchte ich mich fühlen? Kann ich alles auf einmal machen und dabei gezwungenermaßen Kompromisse eingehen, oder heißt es: "You can be everything you want, but not all at once”?
Unser Studio lieben wir mit all dem Herzblut, das wir hineingesteckt haben. Doch die überhandnehmende Bürokratie unseres florierenden Studios in Berlin und das Management vieler Tattooartists haben uns zunehmend die Freude und Leichtigkeit im Studioalltag genommen. Tag ein, Tag aus dachten wir an unsere Mietausgaben, daran, ob wir mehr Artists aufnehmen könnten und welche Aufgaben damit einhergingen. Der Konkurrenzkampf Berliner Studios nahm in meinen Augen mitunter unethische Züge an. Wir möchten uns lieber darauf besinnen, was uns wirklich Spaß macht: der Kontakt mit unserer Kundschaft, die schönen Begegnungen im Studio, die Kunst und Kreativität.
Weitermachen wie bisher, obwohl es sich für mich nicht mehr richtig anfühlt, ist keine Option. Ich möchte selbst etwas ändern und nicht nur im Wirbelsturm des Lebens und von Bürokratiefluten mitgerissen werden. Ich habe keine Angst mehr zu scheitern, sondern davor, auf einem Weg zu bleiben, der nicht mehr meiner ist.
Schon lange schwirrt uns der Wunsch im Kopf herum, näher bei meiner Familie zu sein. Bei jedem Besuch in NRW fühle ich mich ein bisschen mehr zu Hause. Ich bin dort aufgewachsen und habe recht schnell nach meinem Abi die Fahnen gehisst – seitdem bin ich nicht mehr für längere Zeit zurückgekehrt. Aber jetzt ist es soweit: back to the roots, von unserem familiären Support-Netzwerk profitieren und uns sicher fühlen. Berlin ist eine wunderbare und aufregende Stadt, aber so richtig angekommen fühlten wir uns nie.
Mit meinen 30ern lerne ich, Entscheidungen zu treffen, ohne darüber nachzudenken, was andere wohl davon halten oder mich beweisen zu wollen – sondern auf mich selbst zu vertrauen. Meine Richtung immer wieder zu hinterfragen und nach meinen Werten und Wünschen zu handeln, bedeutet für mich Erfolg. Ich möchte auch zukünftig regelmäßig mit mir selbst "einchecken", ob ich gerade auf dem richtigen Weg bin oder etwas ändern sollte. Und diese Flexibilität ist für mich auch eine Notwendigkeit für ein gut aufgestelltes, erfolgreiches Business.
TW Tod: Dass ich den endgültigen Entschluss gefasst habe, das Studio umzuziehen und von den riesigen Aufgaben eines Studiomanagers Abstand zu nehmen, hängt auch mit meiner Trauer zusammen. Nach einem Schicksalsschlag fiel es mir unheimlich schwer, mich auf Dinge zu konzentrieren. Die einfachsten Aufgaben, wie Briefe zu öffnen, wurden regelrecht zu einer Qual für mich. Ich sehe mich noch am Küchentisch im Studio in Tränen ausbrechen. Kein Wunder, war mein Gehirn doch damit beschäftigt, den Tod meines Vaters zu verarbeiten. Wie konnte ich wieder normal funktionieren? Es ging nicht.
Ich denke, unsere Gesellschaft spricht zu wenig über Trauer – darüber, was sie mit uns und unseren Körpern macht und wie wir mit dem Tod eines nahestehenden Menschen umgehen können. Natürlich kann sich niemand auf den Verlust eines Elternteils vorbereiten; dieses Gefühl, das die ganze Welt aus den Fugen reißt, ist nicht vorhersehbar – und das ist bestimmt auch gut so. Aber mir fehlt die Sensibilität im Umgang mit dem Tod. Schon Tage, ja gar Stunden nach einem Verlust, sollen Angehörige Formalitäten regeln und zur Normalität im Beruf zurückkehren?
Erst einige Monate später merkte ich, wie sehr ich in ein Trauer-Burnout gerutscht war und mich selbst dabei verlor. Ich brauchte Zeit, um herauszufinden, was mir im Leben wichtig ist – und dass es vor allem die kleinen Freuden sind. Das große Geld und Prestige rückten ganz weit nach hinten. Und mir wurde allmählich klar: Es muss sich etwas ändern. Damit einher geht ein Ortswechsel, näher zu meiner Familie, und eine Rückbesinnung auf die Werte unseres Studios
Ich bin mir sicher, dass die Entscheidung dazu führt, meine Selbstständigkeit weiterzuentwickeln, neue Ideen umzusetzen und zu fokusieren, was mir am Herzen liegt. Dabei nehme ich euch gerne mit.
In welchen Städten ich als Guest Artist tätowiere und alles Weitere für Terminbuchungen findet ihr auf meiner Instagramseite.
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